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Wolfgang Mocker |
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Die drängendsten Fragen aus der Kapitalismusdebatte. Die fünf führenden Wirtschaftsvollwaisen antworten: Ist das Kapital wirklich so schlecht, wie immer behauptet wird? Das kommt drauf an. Das Kapital kann scheu wie ein Reh, aber auch RAF-gierig wie ein Terrorist sein. Je nachdem, mit wem es gerade zu tun hat. Mit Steuererhöhungen und Sozialabgaben des Staates oder mit einem Überangebot an willigen Arbeitnehmern, die bereit sind, notfalls sogar länger zu arbeiten, als sie leben. Warum muß der Staat überhaupt in die Marktwirtschaft eingreifen und für einigermaßen faire Wettbewerbsbedingungen sorgen? Das liegt vor allem an den Kapitalisten, die eigentlich gar nicht an Marktwirtschaft interessiert sind. Der Unternehmer an sich agiert nämlich nur höchst ungern unter den Bedingungen der freien Konkurrenz. Durch Konkurrenten hat er ständig bloß Ärger, und die Preise gehen in den Keller. Deshalb strebt jeder Kapitalist von Natur aus viel lieber nach einem absoluten Monopol! Praktisch wie Stalin oder Bill Gates. Wie kann man die verschiedenen Heuschrecken des Raubtierkapitalismus eigentlich auseinanderhalten? Nun, gute Heuschrecken erkennen Sie daran, daß diese Arbeitsplätze bis zur Insolvenz schaffen. Böse Heuschrecken hingegen schaffen nicht mal Arbeitsplätze, aus denen sie Profit ziehen könnten. Sie weigern sich schlicht und ergreifend, überhaupt noch Arbeitnehmer auszubeuten. Das ist den Managern einfach zu anstrengend und zu langwierig. Was ist eigentlich Manchesterkapitalismus? Manchesterkapitalismus war eine frühe angelsächsische Form der sozialen Marktwirtschaft. Anfang der 90er Jahre warnten auch hierzulande viele Kritiker vehement vor dem Aufkommen des Manchesterkapitalismus in Deutschland unter Helmut Kohl. Das war allerdings ein Fehlalarm, denn heute sieht man deutlich: Das System Kohl war praktisch die vorerst letzte sozialdemokratische Regierung Deutschlands. Haben sich die Eigentumsverhältnisse seit Marx geändert? Natürlich, die Zeiten des gemütlichen Familiengroßbetriebs à la Buddenbrooks und Bertelsmann sind ein für allemal vorbei. Heute kommt das fixe Kapital von anonymen Aktionären, und das Geschäft betreiben seelenlose Manager, die sich mit dem Unternehmen längst nicht mehr identifizieren. Geschweige denn mit seinen Produkten. Nicht nur die Arbeit ist hochgradig entfremdet, sondern inzwischen sogar der Müßiggang. Nicht mehr lange, und es wird wahrscheinlich überhaupt nur noch das Geld hierzulande arbeiten. Wer gehört eigentlich alles zu den Kapitalisten? Im Grunde genommen alle - also auch Kleinanleger - , die Geld zur Verfügung stellen und, egal, welcher Unfug mit ihren Spargroschen unternommen wird, eine ordentliche Rendite erwarten. Weil sie sonst ja selber arbeiten müßten. Was allerdings viele von ihnen kurioserweise zusätzlich auch noch tun. Offenbar können viele Kleinanleger vom Ersparten oft nicht leben. Weil sie viel zu hohe Ansprüche haben! Kleine wie große Anleger profitieren gleichermaßen von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Selbst unter Ihnen, verehrte Leser, könnte es den einen oder anderen Blutsauger geben - wenn natürlich auch nur mit lächerlichen 2,25% Zinsen aus einem DiBa-Depot. Gibt es auch gute Menschen im Kapitalismus? Aber natürlich! Das wäre ja furchtbar, wenn es nicht so wäre. Da sind zunächst einmal all jene Robin Hoods zu nennen, die von ihren hübschen Eigenheimen aus (die einander gleichen wie ein Überraschungsei dem anderen) die Kapitalismuskritik vor allem logistisch unterstützen. Zu den guten Menschen gehören aber auch all jene, die überhaupt nichts haben. Höchstens Schulden. Verschuldete Bürger sind sogar besonders gute Menschen, weil sie ohne Rücksicht auf ihre Einkommensverhältnisse die Konjunktur im Land wenigstens einigermaßen am Laufen halten und Arbeitsplätze sichern, die Ihnen eigentlich schnuppe sein könnten, weil sie selber schon lange keinen Job mehr hatten. Wirklich gute Menschen denken eben nicht immer nur an sich! Brauchen wir mehr oder weniger Staat? Ja. Mehr oder weniger. Drei Ulla Schmidts wären natürlich besser. Zehn Deutsche sind bekanntlich noch dümmer als fünf Deutsche. (Fortsetzung folgt) Wolfgang Mocker 2005 |
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