Nachruf im »strassen|feger«
Unser Kollege und Mitstreiter Wolfgang Mocker ist gestorben. Wir trauern um unseren Freund.

Am 27. Juli bekamen wir einen Anruf von Viola Mocker. Sie sagte uns: „Mein Mann Wolfgang ist tot.” Wolfgang – das ist unser Wolfgang Mocker. Seit vielen Jahren hat er in seiner Kolumne „Schnittstelle” für uns das aktuelle Geschehen in Deutschland messerscharf und respektlos kommentiert. Seine kritische Stimme ist nun für immer verstummt.

Wolfgang starb im Alter von 55 Jahren am 24. Juli an einem Herzinfarkt. Wenige Tage vorher hatte er uns geschrieben, dass er für ein paar Wochen in den wohlverdienten Urlaub fährt. Sein Tod kam urplötzlich und völlig unerwartet. Ein kaum in Worte zu fassender Verlust vor allem für seine Frau und seine Familie. Und auch für uns, seine Kolleginnen und Kollegen der Redaktion des strassenfeger. Diese Nachricht hat uns alle sehr bewegt und betroffen.

Am 02.05.1954 wurde Wolfgang Mocker im vogtländischen Plauen geboren. Sein Abitur machte er an der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) in Halle/Saale. Anschließend studierte er Turbinenbau in Wrocław, danach begann er ein Pädagogikstudium. Beide Studien brach er ab, nachdem er festgestellt hatte, dass es das nicht war, was er wollte. Später absolvierte er ein Journalistikfernstudium in Leipzig und wurde Redakteur bei der Satirezeitschrift „Eulenspiegel“. Doch auch da hielt er es nicht lange aus. Seit 1993 arbeitete er als freiberuflicher Journalist.

Wolfgang war ein Meister des Aphorismus‘, schrieb famose Satiren, veröffentlichte seine Lyrik und Prosa in Literaturmagazinen wie der „Neuen Deutschen Literatur” und der Zeitschrift „Temperamente”, in großen Tageszeitungen, darunter in der „Süddeutschen Zeitung”, der „Sächsischen Zeitung”, der „Lausitzer Rundschau”, und in bedeutenden Zeitschriften, so im „Eulenspiegel” und im „Magazin”. Und nicht zu vergessen: in unserem strassenfeger, der für viele Jahre sein „Hausblatt” war.

 

 

Wir kannten Wolfgang als stets bescheidenen Kollegen – obwohl er gut war, sehr gut sogar! Über sich selbst hat er einmal gesagt: „Anfang der 70er Jahre schrieb ich schlechte Gedichte. Einige hatten gute Pointen. Ich ging dazu über, nur noch die Pointen aufzuschreiben, und erfuhr, daß man so was Aphorismen nennt.”

Verluste wie dieser sind es, die uns vom Atheismus abfallen lassen. Denn wir wünschen uns – nachdem ein Mensch wie Wolfgang nicht mehr ist – ein Wiedersehen, also ein Leben danach. Was Wolfgang sicherlich mit scharfem Spott bedacht hätte: mit diesem bissigen und motivierenden Geist, den wir sehr vermissen werden. Der mit enormer Schärfe jederzeit zur Abrechnung bereit war, wenn die Alarmglocken im Lande eben wieder einmal nicht schellten. Sofort standen bei ihm alle Zeichen auf Sturm. Nicht eine einzige der politischen Plagen, die wir Parteien nennen, war vor ihm sicher. Dieses Sezieren wie im Vorbeigehen wird uns ganz besonders fehlen. Und natürlich die sehr gelungene Leichtigkeit im Antworten und Erklären, ehe den Protagonisten je die Dämlichkeit der eigenen Elaborate bewußt wurde. Und der lockere Spott auch sehr.

Liebe Viola: Unser besonderes Mitgefühl gilt Dir und Eurer Familie, Euren Freunden und Kollegen. Wir werden unseren Freund Wolfgang Mocker nicht vergessen!
Andreas Düllick


Seine im strassenfeger veröffentlichten Kolumnen finden Sie in unserem Archiv
bei www.strassenfeger.org unter dem Pulldown strassenfeger.

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